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Eine unvergessliche Begegnung -
Indien und der Dalai Lama

Die Welt rückt zusammen. Wie nah man beieinander liegt, wurde meiner Frau und mir bei unserer Reise nach Indien i m Herbst vergangenen Jahres wieder bewusst.

Nach ca. 7 1/2 Stunden Flug hatten wir von Frankfurt aus Indiens Hauptstadt New Delhi erreicht und konnten die geplante Rundreise mit einer Zugfahrt nach Amritsar beginnen.

Unser Ziel waren heilige Orte in Nord- und Mittelindien, wobei uns nicht nur die beeindruckenden Bauwerke, sondern auch die Menschen und ihre Beziehung zur Religion interessierten. Nach dem Besuch des höchsten Heiligtums der Sikhs, dem Goldenen Tempel in Amritsar, fuhren wir mit einem Pkw weiter nach Dharamshala. Wir wollten „KleinLhasa“, den Exilaufenthalt des 14. Dalai Lama, kennen lernen. Nach ca. 6

Stunden Fahrt über mehr oder weniger intakte Straßen hatten wir die Stadt erreicht. Unterwegs begeisterten uns die Ausläufer des Himalaja und am Abend konnten wir die ersten „6 000er“ in der Sonne leuchten sehen.

Am nächsten Morgen starteten wir nach McLeodganj, einem Ortsteil von Dharamshala. In ca. 1890 m Höhe hatten wir nach abenteuerlicher Fahrt das Dorf erreicht. Die Gesichter

der Menschen und nicht zuletzt die vielen Wimpel ließen die Nähe zu Tibet erkennen.

Eine schmale Straße, gesäumt von Läden aller Art, führte uns unmittelbar zum Eingang eines großen, wenig spektakulären Gebäudes – dem Exilaufenthalt des Dalai Lama und der tibetischen Exilregierung.

Trotz einer 3-tägigen größeren Veranstaltung erhielten wir die Möglichkeit, das Anwesen zu besuchen. Kameras und sämtliche Elektronik waren streng verboten. Nach einem kurzen

Gang vorbei an Mönchen, Bettlern und Pilgern betraten wir ein Museum, in dem der Leidensweg des tibetischen Volkes dargestellt war. Danach kam eine Sicherheitsschleuse mit gründlicher Durchsuchung, ein kleines Taschenmesser in meiner Hosentasche musste sofort zurück gebracht werden.

Nun stiegen wir erwartungsvoll mehrere Treppen nach oben zu einer großflächigen, überdachten Etage und waren total überrascht. Im traditionellen Lotossitz saßen ca. 1 000 in rote oder gelbe Kutten gekleidete Mönche, die den Gruppenschildern

nach aus der Mongolei, Russland und Vietnam kamen.

Sie lauschten konzentriert auf die gut hörbare Stimme aus den Lautsprechern und ließen sich durch uns nicht stören.

Dann erkannten wir, dass am Ende des großen Raumes ein Mann sprach. Wir trauten unseren Augen nicht, aber es war der Dalai Lama, der in seiner charakteristischen leicht

nach vorn gebeugten Haltung zu seinen Gläubigen predigte.

Durch einen Rundgang kamen wir ihm auf weniger als 20 m nahe und konnten ihn beobachten. Uns ergriff tiefe Ehrfurcht vor einem Menschen, der mit gütigem, Vertrauen ausstrahlendem Gesicht seine Worte formulierte. Der „Botschafter

des Friedens“, dessen unermüdliches Eintreten für Gewaltlosigkeit 1989 mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt wurde, stand nahe vor uns. Eine unvergessliche Begegnung!

C. und M. Scharff aus Altenbergen