Zwischen Himalaya und indischem Ozean: Indien
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Zwischen Himalaya und indischem Ozean: Indien

Indien · November 2015

Der indische Subkontinent präsentiert sich generell in völlig anderem Lichte als der europäische Besucher erwarten mag, und widerspricht damit den Klischees von bitterem Elend und dem Stereotyp des ordnungslosen Menschengewühls in Indien. Anders als in anderen asiatischen Ländern ist hier die zutiefst empfundene, ehrliche und berührende Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen erst auf den zweiten Blick zu erkennen. So möchte ich Indien gar nicht zu Asien zählen, denn das unglaublich abwechslungsreiche und kulturell stark differenzierte Land stellt nicht nur geographisch einen eigenen Kontinent dar, der nach einzigartigen charakteristischen sozio-kulturellen Spielregeln funktioniert. Zwar bewegen sich in Indien in der Tat gewaltige Menschenmassen, doch das Chaos hat hier ein System und eine zugrundeliegende Ordnung. Bemerkenswert ist auch die Vereinbarkeit von indischer Tradition und Moderne, da die uralte Geschichte des Landes in Verbindung mit dem Erbe der britischen Kolonialzeit mit der zeitgenössischen Entwicklung Hand in Hand geht.

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Landschaftlich zeigt Indien sich genauso kontrastreich wie in Hinblick auf seine vielschichtige Kultur, was von üppig grünen, dicht bewaldeten tropischen Regionen mit wie verzaubert wirkenden prachtvollen Tempeln, über trockene Savannen-Ebenen bis hin zur riesigen Sandwüste Thar reicht. Beachtenswert sind auch die eindrucksvollen Nationalparks, in denen man Königstiger und indische Elefanten beobachten kann, während Kamelfeeling auf den endlosen Dünen in der Wüste unter auffallend klarem, leuchtend blauem Himmel herrscht.

Meine Indienreise hat mich durch das geschichtsträchtige Rajasthan in die großartigen Städte Jaipur, Ujaipur, Agra, in das immense Delhi und in die unermesslich große Metropole Mumbai geführt. In Mumbai, dem bedeutendsten Hafen und damit der beachtlichsten Küstenstadt des Landes, begegnet der Reisende einer überwältigenden Mischung aus Fortschritt und Hightech, sichtbar zum Beispiel im ultramodernen Straßen- und Verkehrsnetz, und massiver sozialer Ungleichheit, da inmitten der teuren modernen Bauten Slumgebiete mit Massen an Bewohnern liegen, die aber, was mir sehr aufgefallen ist, dennoch alle äußerst sauber und gepflegt gekleidet sind.

Hier wird klar, dass Indien beim Besucher eine Achterbahn der Gefühle verursacht, die von himmelhoher Begeisterung ob der jahrtausendealten Kultur, freundlich-offenen Lebensart und berückenden Bauwerke bis zu Bestürzung angesichts der starken sozialen Stratifizierung und dem Kastenwesen, das dem Individuum keinen Wert zugesteht, reicht.

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Diese Unterschiede manifestieren sich auch im unbeschreiblich schönen Palast der Winde, dem Hawa Mahal, inmitten des chaotischen städtischen Trubels von Jaipur, ein absolutes Highlight jeder Indienreise. Die beispiellose filigrane Kunst und schmuckvolle Architektur des Palastes kommen gerade durch die ruhevolle Ausstrahlung des schroffen und kargen Hochgebirges im Hintergrund zur Geltung. Genauso bezaubernd und einzigartig reizvoll ist selbstverständlich das gleißend marmorweiße Taj Mahal in Agra, das als Sinnbild der Liebe zahllose Besucher anzieht, und das man einfach gesehen haben muss. Tipp: beliebtes Highlight ist hier die Bank, auf der Lady Di einst gesessen hat.

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Ängste vor der Größe Delhis erweisen sich vor Ort als unbegründet, denn hier finden sich malerische alte Märkte mit traditionellem Einzelhandel, der von der Apotheke zum Goldschmied auf engstem Raum alle Richtungen beinhaltet, und wo die Einheimischen auch mit Besuchern fair, offen und ehrlich handeln. Bei Delhi handelt es sich unbestreitbar um eine sich schnell entwickelnde Wirtschaftsmetropole, wovon die auf dem Weg nach Jaipur erbaute achtspurige Autobahn zeugt, genau wie die Formel-1-Strecke mit luxuriösen Wohnpalästen. Auch hier kommen die das Land prägenden extremen Kontraste zum Vorschein, denn in der Nachbarschaft der Wellblechhütten der Bauern glitzern neuerbaute Hochhäuser mit Edelapartments.

In Ujaipur locken die typischen prachtvollen Palasthotels Rajasthans, die Taj Hotels, in denen Besucher in prächtigen, echten, ehemals bewohnten Palästen, die zu zu 5-Sterne-Hotels umgebaut wurden, residieren können. In den Gebäuden wird architektonisch die Glanzzeit des reichen Indiens in Verbindung mit geschmackvollem Kolonialstil lebendig, und es werden Service und Komfort auf höchstem Standard geboten.

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Zuletzt möchte ich noch eine bezeichnende Anekdote zum Besten geben: auf dem Weg von Delhi nach Jaipur hatten wir eine Reifenpanne mitten im Nirgendwo, aber nach kurzer Zeit kamen ortsansässige Familien mit ihren Kindern vorbei, und während wir mit den Kleinen Fußball gespielt haben, haben die Männer den Reifen ausgewechselt, ein tolles Erlebnis, das das freundliche und hilfsbereite Lebensgefühl Indiens vermittelt.

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